„Gummilippe" – so wurde der Spider der dritten Generation abschätzig von vielen genannt, die seine Vorgänger liebten. Sie mochten den neuen Spider aus dem Jahr 1983 nicht. Zu unedel, zu unförmig, zu hässlich wirkten die großen Spoiler an Front und Heck.
Der Aerodinamica stellte einen Rückgriff auf eine Designstudie des Fastbacks dar, die 1974 bei der Automobilausstellung von Barcelona gezeigt wurde. Damals hatte die italienische Karosseriebau- und Designfirma Pininfarina zugesichert, dass der Wagen in dieser Form nie gebaut werden würden. Wie man sieht, kam es anders.
Die dritte Spider-Generation wurde, trotz der anfänglich vernichtenden Kritik der eingefleischten Spider-Fans, das erfolgreichste Modell der Serie. Die Erklärung hierfür war simpel. Cabrios verkauften sich in Europa Mitte der achtziger Jahre wie drei Tage alte Brezn auf dem Münchner Viktualienmarkt. In Deutschland betrug der Anteil der Cabrios an den neu zugelassenen Autos 1983 magere 1,7 Prozent. Kurz, der Cabriomarkt hatte heftiges Kammerflimmern, und war nicht weit von einem Herzstillstand entfernt. Viele Autobauer stellten die Cabrio-Produktion ein, und so blieb den Fans von „Wind-in-deinem-Haar" kaum etwas anderes übrig, als den Aerodinamica zu kaufen. Lediglich Porsche mit dem 911er Cabrio und BMW ab 1985 mit den 3er Cabrios versuchten sich zu dieser Zeit ebenfalls auf dem Cabrio-Markt.
Gleichgesinnten auf der anderen Seite des Atlantiks, war es zu verdanken, dass man den Spider überhaupt noch kaufen konnte. Hätten die Reichen und Schönen in Miamis Art-Déco-Bezirk und auf dem Rodeo Drive in Los Angeles Ende der 70er und Anfang der 80er nicht so viele Spider gekauft, wäre die Produktion der dritten Generation wohl niemals angelaufen.
Dieser Tatsache war letzten Endes auch die Gummilippe geschuldet. Die Amerikaner stehen eben auf eine dicke Lippe. Wenn auch optisch für viele Europäer ein Reinfall, so brachten die großen Spoiler technisch einen Vorteil. Der cw-Wert verminderte sich um knapp neun Prozent, und der Abtrieb auf der Hinterachse wurde erhöht.
Neben den äußerlichen Veränderungen bot der Spider der dritten Generation auch im Cockpit einige Neuerungen. Lenkradspeichen und Zusatzinstrumente erstrahlten nicht mehr in Chrom, sondern wurden mattschwarz lackiert. Zudem wurden das hölzerne Lenkrad und der hölzerne Schaltknauf durch Holzimitate ersetzt.
Die Achtziger – das Plastik-Jahrzehnt. Schon 1985 fielen diesem Trend auch die kleinen verchromten Außenspiegel zum Opfer. Sie wurden durch größere schwarze Plastikspiegel ersetzt.
Einen völlig neuen Look gab es im Interieure dann in der überarbeiteten Aerodinamica-Version, die 1986 auf dem Genfer Salon vorgestellt wurde. Die Rundinstrumente, die den Fahrer bisher hinter dem Lenkrad über Geschwindigkeit und Drehzahl informierten, mussten einem neuen Armaturenbrett weichen, das neben diesen beiden Größen auch den Öldruck, den Tankinhalt und die Kühlmitteltemperatur anzeigte.
Dadurch entstand in der Mittelkonsole mehr Platz. An der Stelle, an der bisher drei kleine Rundinstrumente zu finden waren, wurden nun drei Lüftungsöffnungen eingebaut. Auch die Luftausströmer für die Windschutzscheibe bekamen ein neues Design. Darüber hinaus fand man die Schalter für die elektrischen Fensterheber, die Heckscheibenheizung und die Nebelschlussleuchte nun in einer neuen Konsole vor der Handbremse.
Unter der Haube des Spider tat sich hingegen nicht viel. Weiterhin konnte der schnittige Italiener in zwei Varianten erworben werden: mit einem 1,6-Liter- und einem 2,0-Liter-Motor. In den beiden 86er Versionen brachten die Aggregate allerdings jeweils drei PS weniger Leistung als noch vor drei Jahren. Bestellte man die Zwei-Liter-Variante mit Katalysator, gingen dem Wagen weitere elf PS verloren. Viel mehr als bei einem 1,6-Liter-Modell ohne Kat blieb also nicht übrig. Entschied sich ein Käufer dennoch für diese Version, konnte er ein US-Paket dazu kaufen. Darin enthalten waren Klimaanlage, Ledersitze und elektrische Fensterheber. Mitte der 80er ein ordentliches Ausstattungspaket.
Heute ist der Aerodinamica wie jeder der ersten vier Spider ein Klassiker, der sich sowohl auf der Düsseldorfer Kö, im mediterranen St. Tropez oder auch bei einer Überlandfahrt in den bayerischen Alpen sehen lassen kann. Vielen Fans von „Wind-in-deinem-Haar" werden sie mit Ihrem Spider den Kopf verdrehen.