Daten

Name: BMW M3 (E30)
Baujahre: seit 1986

Motorisierungen: Ottomotor 2,3 l R4
Hubraum: 2302 cm³
Leistung: 200 PS
Drehmoment: 240 Nm bei 4750 min -1
Schaltung: 5-Gang manuell oder 4-Gang Automatik
0 - 100 km/h: 6,7 Sekunden
Spitzengeschwindigkeit: 235 km/h
Verbrauch: 8,3l auf 100km
Länge, Breite, Höhe:
4345mm x 1680 mm x 1370 mm
Leergewicht: ca. 1.200 kg

Neupreis: 58.000 DM

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Bmw M3 E30 

Adrenalin pumpt durch meine Adern, mein Herz rast wie verrückt, und der Schock sitzt mir so tief in den Knochen, dass ich nicht weiß, ob ich mich übergeben, hysterisch lachen oder weinen soll. Bilder von brennenden Autos jagen durch meinen Kopf, und meine Hände umklammern das Lenkrad so fest, dass meine Fingerknöchel bereits weiß anlaufen. So hatte ich mir die Suche nach einem Nachfolger für den verblichenen Audi80 eigentlich nicht vorgestellt. Aber alles von Anfang an:

Vor einigen Tagen erhalte ich eine Einladung zum 25. Jubiläum des BMW M3. Gemeinsam mit einer Handvoll Journalisten soll ich den neuen M3 GTS auf einer Rennstrecke in Malaga testen und seinen Urvater, den M3 der Baureihe E30, zur Probe fahren. Ein Wagen, der seit 1986 im Museum gehegt und gepflegt wird und nur zu besonderen Anlässen auf die Straße darf. Kommt er dabei zu Schaden, verschwindet mit ihm der letzte „lebende“ Beweis für ein Stück Motorsportgeschichte.

Denn der M3 ist der erfolgreichste Tourenwagen aller Zeiten und war schon für damalige Verhältnisse extrem schnell, robust und präzise in der Lenkung. Soviel habe ich aus dem Internet gelernt. Weil sich das in meinen Ohren viel versprechend anhört, folge ich der Einladung in den Süden Spaniens. 

Wenige Tage später stehe ich auf einer privaten Rennstrecke in Malaga. Vor mir eine Reihe verschiedener M3 Modelle, die nur darauf warten in der umliegenden Berglandschaft getestet zu werden. Ich fange mit den neuen Modellen an und arbeite mich langsam die Zeitleiste nach unten: den Anfang macht das M3 Coupé von 2010, gefolgt vom E46 Cabrio von 2002 und der E36 Limousine von 1995.

Die sportlichen Autos durch die schmalen Bergstraßen zu heizen macht Spaß, keine Frage. Aber für meinen Geschmack sind die modernen Modelle des M3 fast schon zu perfekt: der Innenraum riecht nach neuem Leder, die Klimaanlage kühlt meinen Sitz leise aber effektiv auf eine angenehme Temperatur herunter und der Motor macht so einen geschmeidig, vollen Sound, dass man sich das Geräusch am liebsten als Handyklingelton herunterladen möchte. Obwohl eine Spritzfahrt in diesen Autos fast schon so erholsam ist, wie ein Tag im Wellness-Center, kann ich mich mit keinem der Modelle richtig anfreunden.  

Zu guter Letzt steige ich in den E30 von 1986. Mit wenigen hundert gefahrenen Kilometern ist das Archivfahrzeug fast noch jungfräulich, doch sein Alter kann der M3 dennoch nicht verbergen. Schon beim Einsteigen steigt mir der stickige Geruch der alten Polyesterbezüge in die Nase und mein Blick fällt auf das altmodische Cockpit mit kantiger Optik und ohne technische Spielereien oder leuchtende Digitalanzeigen. Ein echter Youngtimer eben.

Auch das Lenkrad ohne Servo lässt sich nicht so einfach kurbeln, wie das der jüngeren Modelle und die Pedale lassen sich nur mit einiger Anstrengung bewegen. Doch schon auf den ersten Metern, merke ich, dass der Urvater etwas zu bieten hat, dass seine Nachfolger niemals haben werden: echtes Straßenfeeling. Während man in den neueren Modellen noch bei Tempo 200 das Gefühl hat, durch eine Dreißigerzone zu kriechen, spürt man im M3 E30 jedes km/h. Je schneller ich fahre, desto stärker beginnen Gaspedal und Lenkrad zu vibrieren. Ich meine sogar die Reibung der Reifen auf der unebenen Straße zu spüren. Mehr Fahrspaß geht nicht.  

Nach der Testfahrt in den Bergen bin ich überzeugt, dass ich auch mit der Rennversion des Urvaters jede Menge Spaß haben werde. Die Ascari-Rennstrecke hatte ich bereits mit den neuen Modellen erkundet und somit, dachte ich, dürfte dem Rennspaß nichts mehr im Wege stehen. Ich gebe ordentlich Gas und steuere auf die erste Kurve zu. Als ich abbremsen will, merke ich, dass schnelle Fahrzeuge gar nicht mehr so einfach zu kontrollieren sind, wenn sie kein elektronisches Stabilitätsprogramm (ESP) haben und ohne Automatik auch das Schalten nicht übernehmen. Mitten in der Kurve verliere ich die Kontrolle über das Auto und habe das Gefühl, jede Sekunde samt Auto umzukippen.

Sekunden lang schlingere ich mit dem Urvater auf der Rennstrecke von rechts nach links. Was hatte der Fahrtrainer auf dem Beifahrersitz noch gesagt, was man in so einem Fall  tun soll: Gegenlenken? Nicht Gegenlenken? Ich kann mich nicht mehr erinnern. Ich kneife die Augen zusammen – nicht gerade schlau, ich weiß – und rechne mit dem Schlimmsten. Doch als ich meine Augen wieder öffne, sehe ich, dass der M3 sich beruhigt hat und kerzengerade dahin rast, als wäre nichts gewesen.

Um mich von dem Schrecken zu erholen, gehe ich vom Gas und steuere langsam Richtung Boxengasse. Dort steige ich klitschnass aus dem Wagen – fertig mit den Nerven und dem E30. Zu einer Entspannungsfahrt im klimatisierten M3 Coupé würde ich jetzt nicht Nein sagen.

Johanna Zimmermann

 

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