Er raubte uns den Atem, schon als er nur so da stand. Doch als er auch noch begann zu fliegen, da war es um uns endgültig geschehen. Der De Lorean DMC-12 steht für den Mut eines Mannes, für kühne Träume und das Scheitern an den umbarmherzigen Gesetzen des Marktes. Aber er steht auch für die Unsterblichkeit wirklich großer Ideen. Denn jetzt ist er wieder da. Der De Lorean DMC-12: ein echter Überflieger.
John Zachary de Lorean war Vorstandsmitglied bei General Motors. In den 70er-Jahren, als GM noch die Weltmacht in Sachen Automobilbau war. Doch De Lorean schmiss seinen Job hin, um sich seinen Traum zu erfüllen. Mutig, der Mann.
Er will ein Sportcoupé bauen, das ultimative. Die Karosserie aus rostfreiem Edelstahl, V8-Motor, Flügeltüren. Mitten im armen Irland, wo die Löhne niedrig sind und die Subventionen riesig, da baut er seine Fabrik. Geschickt, der Mann.
Doch auch er muss lernen. Die Kosten sind höher als selbst er es erwartet hatte. Statt des starken Sportwagen-Motors, den er einzubauen gedachte, muss er schließlich einen Großserien-Sechszylinder nehmen. Er baut ihn auch nicht in der Mitte ein, sondern vorn unter der Haube. Das macht die Balance des Wagens zwar nicht eben besser, aber am Ende wird das Produkt schon überzeugen, denkt sich John de Lorean. Lernfähig, der Mann.
Die Porsche-AG ist ihm als Partner zu langsam, doch er findet in Lotus-Gründer Colin Chapman einen adäquaten Partner. Die beiden stellen auf Basis des Lotus Esprit ein berauschendes Automobil auf die Räder, das bis heute weltweit die Autofans begeistert. Dabei ist die ursprünglich geplante Ultimativ-Hochleistungstechnik am Ende ein Sammelsurium der Kompromisse. Der DMC-12 wiegt 1,3 Tonnen, bekommt aber von John de Lorean nur 132 PS spendiert. Zu kompromissbereit, der Mann?
2400 Leute arbeiten inzwischen im irischen Dunmurry, und als 1981 die Serienproduktion startet, stehen satte 20.000 Vorbestellungen in den Auftragsbüchern. Doch die Ölkrise und die damit schwächelnde Weltwirtschaft machen dem Selfmade-Autobauer John de Lorean einen Strich durch die Rechnung. Hinzu kommen enorme Qualitätsprobleme. Die Jungs in Irland, zumeist angelernte Hilfskräfte, haben keine Erfahrung im Automobilbau. Man sieht es dem De Lorean leider an. Noch dazu muss John de Lorean den urpsünglichen Preis mehr als verdoppeln. Statt 12.000 Dollar will er plötzlich 25.000 haben. Irre, der Mann?
Es scheint so. Denn um seine Firma zu retten, als ihm das Wasser bis zum Hals steht, lässt sich der ehemalige Top-Manager irgendwann angeblich sogar auf zwielichte Drogendeals ein. Er wird verhaftet – zu Unrecht zwar, wie sich später erweist, aber da ist die Firma schon hinüber. Am Ende, der Mann.
Und dann ist da das eigentliche Auto. Die Haut aus gebürstetem Edelstahl, die vielspeichigen Schüsselfelgen, die Fügeltüren, das kantige Design des italienischen Stargestalters Giorgetto Giugaro – all dies hat sich uns ins Hirn gebrannt als eines der coolsten Autos der Welt. Als es dann noch für die Film-Trilogie "zurück in die Zukunft" als Zeitmaschine auserkoren wurde, war der weltweite Siegeszug nicht mehr aufzuhalten.
Schade, dass er so früh enden musste.
Wir haben den Wagen vermisst. Wir haben uns kleine Modelle gekauft, vom Original und von den drei Filmversionen – und wir haben uns gefragt, warum diese coole Karre eigentlich vom Erdboden verschwinden musste.
Musste sie gar nicht! Ein Texaner hat die verbliebenen Teile verkauft und baut jetzt wieder neue DMC-12-Coupés. Aus alten Teilen, aber besser als je zuvor. In Handarbeit entsteht das Stück Faszination auf Rädern. Zwei Monate dauert das pro Auto. Die Qualität soll viel besser sein als früher, heißt es.
Rund 40.200 Euro kostet ein nagelneuer De Lorean, Baujahr 2011. Zurück in der Zukunft.
Volker Rachow