Der kleine Bruder des großen Mustang sollte der Probe werden, als man bei Ford in den USA Ende der Siebziger Jahre erstmals über ihn nachdachte; er wurde ein Mazda im Ford-Gewand.
1983 war das Ford-Designerteam mit seinen Planungen schon weit fortgeschritten, als der amerikanische Autobauer ein Joint-Venture mit den japanischen Kollegen bekannt gab.
Fortan arbeitete man in Hiroshima gemeinsam am eigenen Sportwagen und erschuf einen Klon. Der Probe und der Mazda MX-6 wurden auf der gleichen Plattform gefertigt und vom selben quer eingebauten 2.2-Liter Mazda-Vierzylindermotor angetrieben.
Doch aus Sicht der hohen Herren bei Ford sollte es bei einem technischen Klon bleiben, optisch wollte man dem Probe ein eigenständiges Erscheinungsbild geben.
Ford stellte seinen Designern also einen neuen Etat zur Verfügung und die Kreativen erschufen den Probe, der die Autoliebhaber wohl ähnlich spaltete wie Stefan Effenberg die Fußballfans – Liebe oder Hass, das war hier die Frage.
Doch diese stellte sich in Deutschland zunächst nicht. Denn der Probe, der in Flat Rock, Michigan vom Band lief, wurde 1988 nur in den Vereinigten Staaten eingeführt. Es gab keine Pläne, das Sportcoupé auch in Good Old Germany zu vertreiben.
Ab 1990 importierten die Kölner Ford-Werke den GT in Ermangelung eines sportlichen Eigengewächses nach Deutschland und bauten ihn für den deutschen Markt um. Er bekam einen Getriebeölkühler, deutsche Rückleuchten, die dritte Bremsleuchte wurde entfernt, das Tagfahrlicht stillgelegt und Abschleppösen angebaut – fertig war er, der deutsche Probe, der aber dennoch im Herzen ein Amerikaner mit japanischen Wurzeln blieb.
In Deutschland wurden dem 147 PS-Sportwagen serienmäßig zusätzlich ABS, elektrische Fensterheber, elektrisch verstellbare Spiegel und ein verstellbares Fahrwerk verpasst.
Auf einige Annehmlichkeiten mussten die deutschen Probe-Fans allerdings auch verzichten: Bordcomputer, Tempomat, Digital-Tacho und der beleuchtete Schminkspiegel für die adrette Beifahrerin blieben in Deutschland Wunschvorstellungen.
Den Wünschen der amerikanischen Mustang-Fans entsprach der Probe auch nicht: Frontantrieb, japanische Ingenieurskunst und das Fehlen eines V8-Motors waren nicht mit den Ansprüchen eines Mustang-Jüngers zu vereinbaren.
Wer den Probe GT heute fahren will, sollte kein Frischling in Sachen Autos und mit einem gewissen Improvisationstalent gesegnet sein. Denn erstens ist der Probe ja ein Klon, und zweitens wurde er in Deutschland nie offiziell eingeführt. Die Suche nach Ersatzteilen gestaltet sich bei anderen Youngtimern also sicherlich einfacher.