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GECHECKT: DER HYUNDAI GALLOPER 

2.000 Euro – das sollte genügen, einen Geländewagen aus echtem Schrot und Korn zu ergattern. Ein Arbeitspferd mit Platz, das auch locker den Wohnwagen an den See bringt. Natürlich mit TÜV und in fahrbereitem Zustand ohne allzu grobe optische und technische Mängel, dafür mit grüner Plakette, Anhängerkupplung und einem Automatikgetriebe. Geht das?

Der sabbernde Galloper

Einem 98er Hyundai Galloper 3.0 V6 mit 170 TKM in der Exceed-Ausstattung im  „dem Alter enstprechenden Zustand“ gilt mein Interesse, der sich bei einem Händler in der nordbadischen Kleinstadt Schwetzingen die Hufe plattsteht. TÜV hat er noch 18 Monate, der Händler nimmt den Begriff „scheckheftgepflegt“ in seine Annonce auf – den Wagen will ich sehen. Ich fuhr einige Jahre einen Mitsubishi Pajero V20 und war begeistert von seiner soliden Verarbeitung und der robusten schnörkellosen Technik. Der Hyundai Galloper ist eigentlich ein echter Mitsubishi Pajero, ein Crossover des Pajero 1 und 2, in Lizenz gebaut von einer Tochter des Hyundai-Konzerns. Den Hyundai gab es kurioserweise zwischen 1991 und 2003 dann auch nicht bei Hyundai, sondern bei Mitsubishi zu kaufen (und zu warten).

Da steht er vor mir: Imposant und dunkelgrün mit silbernem Lendenschurz. Mir fällt auf, dass der Galloper zwei unterschiedlich farbige Ohren hat. Das rechte Ohr ist schwarz, das linke dagegen weiß. Wahrscheinlich ist dem Galloper bei seinen Ritten durch die Savanne ein Wasserbüffel zu nahe kommen und hat dem Rückspiegel den Garaus gemacht. Das kann uns ja allen mal passieren...

Interessant finde ich jedoch, dass die Scheinwerfer für ein 13 Jahre altes Gefährt hell und klar aus der Karosserie lugen und der Kuhfänger aus Chrom schlichtweg nagelneu ist – der Mitsubishi-Teileaufkleber ist noch dran. Düstere Vorahnungen schon bevor die Motorhaube geöffnet wird.

Doch dann die Überraschung: Nichts, aber auch gar nichts deutet auf einen Zweikampf mit einem weiteren Dickhäuter hin. Alle Kotflügelschrauben sind in jungfräulichem Zustand, alle Spaltmaße sind so, wie sich das die koreanischen Designer vor 13 Jahren vorstellten; nichts ist geschweißt oder nachlackiert. Der Motor wurde gereinigt – das gefällt mir allerdings gar nicht.

Der Rundgang um den kantigen Allradler macht schnell klar – der Galloper musste in seinem Pferdeleben hart arbeiten und hatte Koordinationsprobleme mit dem Rückwärtslaufen. Ein Teil des Auspuffendtopfs wurde ihm in der Wildnis schlichtweg abgebissen. Die Natur kann so grausam sein.

Der Händler kommt mit der obligatorischen Starthilfebox. Ein Dreh und der 141 PS-starke Sechszylinder, der keinen Hehl daraus macht, dass er nicht nur als stark, sondern auch als Saufkumpan  bekannt ist, schnurrt. Ich lasse ihn ein wenig bei seiner Arbeit im unteren Drehzahlbereich alleine und begebe mich in die Galloper-Schaltzentrale, die aus wenigen, aber klar erkennbaren Knöpfen aus Hartplastik rund um das Lederlenkrad besteht. Aber was ist mit dem Sattel für den Fahrer? Mensch und Tier müssen hier tagtäglich gemeinsam auf harte, gefährliche Beutezüge gegangen sein. Und das sieht man nicht nur, das riecht man auch. In Gedanken sehe ich mich bereits beim Einkauf von Dutzenden der mir so verhassten Wunderbäume und atme so lange flach. Trotzdem riecht hier irgendwas auch nicht nach Tier, sondern nach Werkstatt…

Als ich aussteige, will der Händler die Motorhaube in merkwürdig ruhiger Eile wieder schließen. Doch das weißblaue Wölkchen mit Ölaroma, das gerade an mir vorbei in den nordbadischen Abendhimmel zieht, habe ich registriert und möchte nun auch wissen, aus welcher Quelle es entsprang.

Autsch. Ganz hinten, in einer fernen Ecke der Savanne, die kaum eine Mechanikerhand zu sehen bekommt, lodert der Ärger. Aus der Ventildeckeldichtung tropft Öl auf den mittlerweilen heißen Krümmer und ändert dort seinen Aggregatszustand. Heilung ist in diesem Falle teuer. Zu teuer.

Der Händler versteht meine Trauer, gibt einen Kaffee aus und erbittet, ihm noch eine Chance zu geben, das geeignete Fahrzeug für mich zu finden, denn er kenne ja noch viele Kollegen. Er sei sich sicher, „anständige Angebot zu mache für gute Auto für die Mann mit die viele Auge.“ In den nächsten Tagen bekäme ich einen Anruf. Ich willige ein und suche selbst weiter - the Story continues...

Jürgen Brückmann