Ein Esprit, der eigentlich keiner ist. So kann man den Esprit Turbo von 1981 mit Fug und Recht beschreiben. Denn der Turbo hat so gut wie nichts mehr mit den vorherigen Esprit-Modellen zu tun. Die Liste der Dinge, die erhalten blieben ist kürzer als die der Neuerungen.
Nicht nur das Äußere wurde von Design-Ikone Giorgio Giugiaro überarbeitet, sondern auch unter der zweifelsohne gelungenen Hülle tat sich einiges. Der Esprit Turbo bekam unter anderem ein neues Chassis, eine neue Federung an der Hinterachse, neue Aerodynamikteile und einen 2,2-Liter-Turbo-Motor, der 212 PS hergab.
Schon der erste Auftritt des Supersportlers, war an Pomp und Glamour kaum zu überbieten. Der damalige Hauptsponsor des Lotus Formel-1-Teams, Essex Petroleum, veranstaltete in der Londoner Royal Albert Hall eine extravagante Party, auf der der Turbo vorgestellt wurde. Der Prototyp war in den Farben des Konzern gehalten – Blau, Silber und Rot.
Egal in welcher Farbe, der Esprit Turbo stand der Marke Lotus sehr gut zu Gesicht, haben die Briten doch eine Rennsportgeschichte, die nur von Ferrari und McLaren getoppt wird. Zwischen 1963 und 1978 sicherte sich der Rennstall, der unter dem Namen „Team Lotus“ in der Formel 1 an den Start ging, siebenmal die Konstrukteurs- und sechsmal die Fahrerweltmeisterschaft. Insgesamt war das Team von 1958 an 36 Jahre ununterbrochen in der Königsklasse vertreten und erfuhr in dieser Zeit 79 Siege und 107 Pole-Positions. Legenden wie Stirling Moss, Graham Hill, Jim Clark, Mario Andretti und der unvergessene Ayrton Senna saßen im Lotus-Cockpit. Vor diesem Hintergrund den 245 km/h schnellen Turbo vorzustellen und auf die Straße zu bringen, war keine schlechte Idee. Leider lag zwischen der Vorstellung und dem tatsächlichen Verkauf zu viel Zeit. Der Turbo war fast wieder vergessen, als er endlich ausgeliefert werden konnte.
Trotzdem war man in Hethel, 15 Kilometer südlich von Norwich zu Recht Stolz auf den Turbo. In der offiziellen Pressemitteilung heißt es: „Dieser Neuzugang unserer Modelreihe ist nicht nur ein Esprit mit einem angeschraubten Turbomotor, sondern ein ausgefeiltes, komplett überarbeitetes selbstständiges Fahrzeug.“ Vor allem der „nicht nur angeschraubte“ Motor überzeugte schon damals alle Kritiker. Das Magazin „Motor Sport“ gab seinem Testbericht den Titel „The perfect driving machine?“ und „Autocar“ nannte den Esprit Turbo „den Inbegriff des Turbowagens“.
20.950 Britische Pfund kostete der erste Turbo. In Deutschland bekam man ihn für 73.000 Mark. Ganz schön teuer, wenn man bedenkt, dass man einen Lotus Exige S2 seit 2004 auch schon ab 44.900 Euro bekommt. Trotz des Preises war der Esprit ein Erfolg. Ab 1983 konnte man ihn auch auf der anderen Seite des Atlantiks kaufen. Dort sollte er 48.000 Dollar kosten. Damit war er 12.000 Dollar günstiger aus sein direkter Konkurrent, der Ferrari 308.
Wie erfolgreich der erste Turbo aus dem Hause Esprit war, zeigt auch die weitere Geschichte des Wagens. Die Serie wurde 1986 nämlich keines Fall eingestellt, sondern es folgte ein neuer noch stärkerer Esprit – der Turbo HC.
Beide sind heute seltene Yountimer, die immer noch bretthart auf der Straße liegen, einen traumhaft abgestimmten Motor besitzen, aber leider so eng sind wie eine Zelle zur Einzelhaft. Menschen über 1,80m fühlen sich wegen der niedrigen Konstruktion, den schmalen Sitzen und dem unglaublich hohen und breiten Mittelkanal wie eine Sardine in der Dose. Trotz der Abstriche die ein Fahrer in Sachen Komfort machen muss, ist der Esprit Turbo ein Auto, das ungeheuer viel Spaß macht.