Daten

SL (Baureihe 107)

Baujahre: 1971 – 1989

Unser Beispielmodell: 350 SL

Motorisierung: V8
Hubraum: 3499 ccm
Leistung: 200 PS / 147 kW (ab 1976: 195 PS / 143 kW)
Drehmoment: 284 Nm bei 4.000 U/min (ab 1976: 274 Nm bei 4.000 U/min)
0 - 100 km/h: 8,8 sec (ab 1976: 9,5 sec)
Spitzengeschwindigkeit: 210 km/h (ab 1976: 205 km/h)
Länge, Breite, Höhe:
4960 mm x 1870 mm x 1425 mm
Leergewicht (kg): ca. 1540 kg (mit Coupédach 1580 kg)

Neupreis: 30.000 € (1971) – 43.200 € (1979)
Wert heute (Zustand 2): 17.500 Euro

Wieviele PKW der Baureihe 107 wurden hergestellt? 237.287

Vorgänger: Mercedes-Benz 280 SL (Baureihe 113)

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MERCEDES SL (R107) 

Der 350 SL, den Mercedes-Benz Anfang 1971 als erstes Modell der Baureihe 107 auf den  Markt brachte, hatte mit dem Vorgänger 280 SL aus der 113er-Reihe technisch nicht mehr viel gemeinsam. Neu waren unter anderem die 3,5 Liter V8-Motorisierung, Heckleuchten, die auch bei starker Verschmutzung sauber bleiben sollten und die Schräglenker-Pendel-Hinterachse. Und neu war vor allem – das Design.

Rein äußerlich war die Abstammung zum Pagoden-SL natürlich noch zu erkennen, denn wie sein Vorgänger war der 350 SL ein zweisitziger Roadster mit voll versenkbarem Verdeck und abnehmbaren Hardtop. Doch in Form und Stil hatte der Geschmack der 70er Jahre alles Weiblich-Runde ausgemerzt. Bohnenförmige Lichter ade, Heckflosse mach’s gut. Eckige Frontstrahler, klare Linien, kantige Details, schnittige Form – das war der neue SL. Und der kam vor allem in den USA bombig an: Rund 80 Prozent der R107 wurden von Sindelfingen nach Übersee überschifft. Dort liebte man den deutschen Flitzer. Hollywood ließ ihn in Kultserien wie „Hart aber herzlich“ mitspielen. Ab Anfang der Achtziger war Bobby Ewing in „Dallas“ mit seinen roten SL unterwegs.

Doch nicht nur der Look des neuen SL hatte sich weiterentwickelt, auch in Sachen Sicherheit machte er große Schritt. Der Tank lag jetzt zum Beispiel nicht mehr im Heck, sondern über der Hinterachse – vor Kollisionen viel besser geschützt. Und mit ein bisschen Fantasie kann man im Vierspeichen-Lenkrad mit Pralltopf und Polsterplatte den Vorgänger unseres heutigen Airbags erkennen.

Schon ein halbes Jahr nach dem 350 SL später stellte Mercedes-Benz auf dem Pariser Salon ein Schwestermodell der Öffentlichkeit vor. Der 350 SLC (C107) war ein viersitziges Coupé mit festem Dach, in Technik und Stil dem Roadster sehr ähnlich. Der um 360 mm verlängerter Radstand verhalf ihm aber zu stabileren Fahreigenschaften. Denn im Winter verhielt sich der 350 SL wegen seines kurzen Radstands reichlich unberechenbar.

Im Frühjahr 1973 lancierte Mercedes-Benz gleich zwei neue Typen aus der Baureihe 107, den 450 SL und 450 SLC mit 4,5 Liter V8-Motor. Leistungsmäßig tat sich zwar bei den neuen Modellen nicht viel, das Drehmoment fiel aber nun deutlich kräftiger aus.

Wer sich beim Studieren der technischen Daten wundert, dass sich der SL nach der Überarbeitung von 1976 langsamer und PS-schwächer statt schneller und PS-stärker wurde: Die Ölkrise machte auch vor der schwäbischen Provinz nicht halt. Denn die Emissionsgrenzwerte wurden damals in den meisten europäischen Ländern deutlich verschärft. Die Kraftstoff-Einspritzanlage musste dementsprechend umgestellt werden – wodurch es zu einem kleinen, aber spürbaren Leistungsabfall kam. Der wurde aber zwei Jahre später wieder ausgeglichen.

1977 wurde der V8-Motor beim Typ 450 SLC 5,0 auf 5 Liter aufgestockt. Außerdem wurde Leichtmetall bei Motor- und Kofferraumhaube, sowie den Felgen verwendet, um Gewicht einzusparen.  Das ließ den Preis kräftig in die Höhe schießen – dummerweise ohne wirklichen Nutzen für den Fahrer. Auch nicht jedermanns Geschmack war der am Heck angeklebte Gummispoiler.

Überarbeitete Motoren, bessere Übersetzungen und die Umstellung auf Fünfgang- (beim 280er) bzw. Viergang-Automatic-Getriebe (beim 380er und 500er): Im Herbst 1981 wurden alle Modelle gründlich überholt. „Mercedes-Benz Energiekonzepts“ nannte sich das Ganze und machte durch geringeren Verbrauch und Schadstoffausstoß die 107er-Baureihe nochmal attraktiver. Vier Jahre später verpasste man dem gesamten SL-Typenprogramm auch noch ein reichhaltiges Modellpflegepaket.

Der allerletzte Wagen aus der 107er-Baureihe rollte im August 1989 vom Band - ein roter 500 SL. Obwohl die Nachfolge-Reihe 129 schon ab Mai 1988 produziert wurde, war der R107 bis zuletzt ein Bestseller. Die Bilanz: 237.287 verkaufte Autos. Im Luxusbereich ein neuer Rekord!

Und auch die lange Zeit, in der der SL R107 in Sindelfingen hergestellt wurde, spricht für sich: Über 18 Jahre – so lange wie keine andere Baureihe im Hause Mercedes-Benz.

Der SL (Baureihe 107): Schon zu Bauzeiten eine Legende. Ein Auto, das wie kaum ein anderes das Flair der 70er und 80er Jahre verkörperte – und doch bis heute zeitlos schön ist.