Der 911 der 70-er und 80-er-Jahre ist eine Ikone und gilt als der Elfer schlechthin. Man nennt die Karosserieform auch das G-Modell, weil Porsche eine zeitlang intern alle Baujahre nach Buchstaben unterschied – von A im Jahr 1967 bis M 1979. Die G-Serie feierte im Jahr 1973 ihr Debut und steht als Bezeichnung für alle 911er bis 1989 – obwohl der Nomenklatur folgend eigentlich nur das Baujahr 1974 ein echter G ist. Egal, wer immer sich das System ausgedacht hat, er dürfte vermutlich selbst nicht mehr recht durchsteigen.
Das G-Modell war die Antwort Porsches auf die verschärften Sicherheitsvorschriften in den USA, dem Hauptabsatzmarkt der Zuffenhausener Marke. Voluminöse Stoßstangen mit integrierten Stoßdämpfern sollten kleinere Rempler wegstecken, das war die gesetzliche Vorgabe.
Wohl kaum ein Hersteller hat die Vorschriften auf so elegante Weise erfüllt wie Porsche. Wenn man an die unförmigen dicken Lippen jener Jahre denkt – sei es ein Mercedes SL der Baureihe 107 oder ein Fiat 124 Spider – dann sieht der Neunelfer nicht nur vergleichsweise elegant aus, er hat es mit seinen seitlich gut zu erkennenden Faltenbälgen sogar zur Stilikone geschafft. Das G-Modell ist als Coupé, Cabrio, Targa und Speedster heute ein extrem gesuchter Youngtimer.
Für Freunde des markanten Auftritts gab es den 911er am Werk im so genannten Werks-Turbo-Look (WTL). Dieser umfasst die Front- und Heckspoiler des echten Turbo sowie die Karosserieverbreiterungen und die Bremsanlage. Außerdem gab es ab Werk den so genannten "Carrera-Heckflügel", eine schmalere Version, bei dem die seitlich nach oben auslaufende Welle der Gummilippe fehlt – sie läuft stattdessen nur am hinteren Ende nach oben aus. Die Heckflügel wurden ausschließlich zusammen mit einem Frontspoiler verbaut, damit der Wagen bei höheren Geschwindigkeiten nicht zu leicht auf der Vorderachse wird.
Der 3,2 Liter-Motor des G-Modells gilt als eine der besten Maschinen, die Porsche je gebaut hat. Einer der Gründe dürfte darin liegen, dass dieser Motor die Basis für den 300 PS starken Turbo bildete, selbst jedoch nur rund 230 PS leisten musste. Die Reserven kommen der Standfestigkeit zu gute. Selbst bei Spitzentempo – und das sind immerhin auch 230 km/h, stößt der 3,2 noch nicht an seine Leistungsgrenzen.
Volker Rachow