Daten

Name: Sachsenring Trabant P 601

Baujahre: 1964-1990

Gewicht: 615 Kg

Länge/Breite/Höhe: 3555x1510x1437 mm

Motor: 2-Zylinder 2-Takt

Hubraum: 594ccm

Vmax: 100 km/h

Leistung: 26PS

0-100 km/h: 24 sek

Drehmoment: 54 Nm

Gebaute Fahrzeuge: 2.819.663 Stück

Vorgängermodell: Trabant 600

Nachfolgemodell: Trabant 1.1

Preis (1985): 9700 DDR-Mark

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TRABANT 601 (1964-90)

Wohl kein Auto der Welt wurde jemals so begehrt wie der Trabant. Alle wollten ihn, und alle mussten warten, meist jahrelang, gelegentlich sogar jahrzehntelang. Die Planwirtschaft der DDR kam mit der Produktion des Wagens einfach nicht hinterher. Dabei war der Trabi im Grunde genommen ein völlig überteuertes Volksauto. Heute ist er ein Youngtimer mit viel Charme.

Unser Trabi war das dritte Modell der Baureihe. Er wurde als „P601" von 1964 bis 1990 im Volkseigenen Betrieb „Sachsenring Automobilwerke" in Zwickau gebaut und hatte den Charme des Vorgängers geerbt. Altmodische Formen, kleine, angedeutete Heckflossen, wenig Platz, Plastikkarosserie.

Als Zweitürer lief er erstmals 1964 vom Band, der dreitürige „Kombi Universal" kam im September des Folgejahres hinzu und löste den „Trabant 600 Kombi" ab. 1978 folgte das Modell „Tramp. Dabei handelte es sich um die zivile Ausführung des 601 Kübel, der den DDR-Truppen vorbehalten war. Auch der Tramp blieb in der Heimat ein Exot. Es wurde hauptsächlich für den Export gebaut. Noch heute fahren etwa in Griechenland zahlreiche Tramps herum.

Bei aller Altertümlichkeit galt der 601 bei seiner Präsentation als modernes Auto. Er war kantiger als sein Vorgänger, etwas größer und komfortabler. Mit 23 PS und 107 km/h Spitzengeschwindigkeit war er allerdings alles andere als ein Rocker.

Über die Jahre spendierten die Sachsenwerke Ihrem staatlich verordneten Bestseller kaum irgendwelche Verbesserungen. Technik und Design wurden alt und älter, und dass tatsächlich bis zu 9700 DDR-Mark für den Plastebomber hingelegt wurden, lag hauptsächlich am Mangel an Alternativen. Und wegen der langen Wartezeiten wurden selbst Gebrauchte zeitweise über dem Listen-Neupreis gehandelt.

Der Trabi bedeutete Freiheit. Freiheit in einer Welt, in der alles reguliert und reglementiert war. Der Wagen war die Fahrkarte für den selbstbestimmten Urlaub. Viele fuhren bis ans Schwarze Meer, auch wenn dies einen Fünf-Tages-Ritt durch vier Länder bedeutet. Mit Dachzelt on top oder Wohnwagen, denn Hotels waren im Ausland für DDR-Bürger kaum erschwinglich. Wenn unterwegs etwas kaputtging - kein Problem. Einen Trabi konnte und kann man mit Nagelfeile und Büroklammer reparieren. Naja, fast.

Dabei wurden die Ingenieure in Zwickau nicht müde, immer neue Verbesserungen vorzuschlagen. Sogar mit Wankelmotoren wurde experimentiert. Allein, die DDR-Oberen blockten alle Ideen als unnötig ab. Kein Wunder, denn auch ohne Änderungen konnten sie über die Jahre Millionen davon verkaufen. Insgesamt waren es am Ende 2.819.663 Stück. Am 1. Januar 2011 waren noch immer 29.537 Fahrzeuge in Deutschland angemeldet.

Selbst als schließlich 1990 der Nachfolger Trabant 1.1 auf den Markt kam, handelt es sich zwar um ein komplett überarbeitetes Auto mit neuem Viertaktmotor von VW - das Design aber war noch immer von gestern.

Mit dem Fall der Mauer 1989 geriet der Trabant ins automobile Abseits. Es ist eine Mischung aus Ostalgie und Leidensfähigkeit, die ihn bis heute am Leben erhalten hat. Nicht zuletzt ist er als Youngtimer (noch) billig zu bekommen. Die Zahl der Fans scheint mittlerweile eher wieder zu wachsen.

Volker Rachow

 

Ausflugstipp: Das August Horch Museum Zwickau

In den sanierten Gebäuden des ehemaligen Audi-Werks in Zwickau eröffnete 2004 das August Horch-Museum. Die Erlebnisausstellung nimmt die Gäste auf 3000 Quadratmetern mit auf eine beeindruckende Reise durch mehr als 100 Jahre Automobilbau in Sachsen. Zu sehen seien „Prachtstücke sächsischer Automobilkunst“, sagt Museumssprecherin Annett Kannhäuser. Dazu gehören Autos der Marken Horch, Audi, DKW, Wanderer und Trabant.

Das Museum will den Pioniergeist und Erfindungsreichtum sowie das technisches Wissen rund um das Auto vermitteln. Ein unterhaltsames Stück Wirtschafts- und Zeitgeschichte, das gesehen, gehört, gerochen und gefühlt werden kann.