Damals, 1988 – der rote Corrado auf dem Schotterparkplatz vor der Diskothek. Die Mädels standen alle um diesen einen Kerl und sein Auto herum, die anderen Jungs dachten: „Wow, was für eine Karre!" Sportlich, bullig, imposant, schnell, gefährlich – der Corrado hatte alles, was einem Mann an einem Auto gefällt.
Bei diesem Anblick hielt man es kaum für möglich, dass der Corrado auf dem doch eher biederen Golf II basierte. Von der technischen Verwandtschaft hatte er sich optisch erfolgreich gelöst.
Gebaut wurde der Corrado bei Karmann in Osnabrück. Zwei besondere Merkmale zeichneten ihn aus: der G-Lader und ein automatisch ausfahrender Heckspoiler. Dieser zeigte sich ab einer Geschwindigkeit von 120 km/h und verringerte den Auftrieb auf der Hinterachse um bis zu 64 Prozent – das Geschoss klebte also auf der Straße.
Auf dieses Detail war man bei VW besonders Stolz und bewarb es im Playboy 1989 auf einer dreiseitigen Anzeige mit den Worten „Unser neuer Sportwagen fährt seinen Flügel nicht zum Fliegen aus. Im Gegenteil.“
Die Entwicklung des „flügellahmen“ Corrado begann bereits im Mai 1981, nur zwei Monate nach der Markteinführung des Scirocco. Der Entwicklungsauftrag 494 wurde ab 1986 und dem Namen „Taifun“ vorangetrieben. Nach dem Passat und dem Scirocco noch mehr Wind für Volkswagen. Doch mit einem Taifun verbanden die Entscheidungsträger mehr Zerstörung als Positives, und so wurde aus dem Taifun der Corrado. Das spanische Wort „Correr“ bedeutet im Deutschen rennen, flitzen oder rasen – durchaus passend für ein Sportcoupe.
Während der Laie eher von der Optik des Corrado beeindruckt war, dürfte den wahren Auto-Fans die umfangreiche Serienausstattung aufgefallen sein. Servolenkung, ABS, höhenverstellbare Sportsitze und elektrisch einstellbare und beheizte Außenspiegel. Ende der 80er Jahre ein stattliches Paket.
Auf den Ur-Corrado folgten weitere acht Versionen, die aber nur noch selten auf Deutschlands Straßen zu sehen sind. Schätzungen zufolge fahren weniger als 10.000 auf deutschen Straßen. Wer also einen Corrado in der Garage hat, sollte sich glücklich schätzen, das gute Stück hegen und pflegen und dem Sportler immer wieder Auslauf gewähren.
Wenn der Corrado dabei dank seines Spoilers nicht abhebt, so kann sich jeder Fahrer dennoch sicher sein, dass der G-Lader schon einmal in Sphären vorgedrungen ist, die nie zuvor ein Kompressor gesehen hat.
Denn im Jahr 1992 ging der G-Lader tatsächlich in die Luft. In der Raumfähre Columbia diente er den Astronauten zum Kühlen eines Experimentierschranks.