Daten

VW Golf 1 Cabriolet
Baujahre: 1979 - 1993
Unser Beispielmodell: VW Golf I Cabriolet GLI
Hubraum: 1588 ccm
Leistung: 81 kW / 110 PS
Drehmoment: 140 Nm bei 5.000 U/min
Spitzengeschwindigkeit: 172 km/h
0 - 100 km/h: 10,2 Sekunden
Verbrauch: ca. 9,0 l
Schaltung: 5-Gang
Länge, Breite, Höhe: 3815 mm x 1630 mm x 1395 mm
Leergewicht: ca. 940 kg
Wieviele PKW wurden hergestellt?
389.000 Stück
Neupreis: 22.520 DM
Preis heute: ca. 7.200 Euro
Vorgänger: VW Käfer Cabriolet
Nachfolger: VW Golf 3 Cabriolet (1993 – 1998)

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VW Golf 1 Cabrio 

Mein Golf Cabrio und ich

Das Golf Cabrio ist vielleicht nicht das schönste Auto der Welt. Besonders nicht in dem undefinierbaren Blau, in dem ich es acht Jahre lang mein Eigen nannte. Doch es ist das beste Auto, wenn man gerade 18 geworden ist…

Endlich volljährig! In dem Nest, wo ich herkomme, bedeutet das noch mehr als anderswo. Volljährigsein bedeutet Autofahrendürfen, und Autofahrendürfen bedeutet Freiheit. Deswegen stand mein Golf Cabrio auch schon in der Auffahrt meines Elternhauses, als es bis zu meinem 18. Geburtstag noch gut und gerne drei Monate hin waren. Jeden Tag ging ich hinaus, sperrte die Fahrertür auf und setzte mich hinters Lenkrad. Dort saß ich dann fünf Minuten, zehn Minuten, fünfzehn Minuten, wischte den Staub von den plastikschwarzen Armaturen, probierte schon mal die Funktionstüchtigkeit des Kassettendecks aus – und träumte von der weiten Welt.

An die erste Fahrt mit meinem Golf Cabrio kann ich mich noch ganz genau erinnern. Mit weichen Knien und vor Freude und Stolz laut singend verbrachte ich den Nachmittag meines Geburtstags komplett auf den Landstraßen der Umgebung.

Und dann kam der Sommer. Mein Abitursommer. Niemals wieder kam ich mir so cool vor wie damals, als ich den „Abi – hab i“-Aufkleber sorgfältig auf der kleinen, beheizbaren Heckscheibe befestigte. Nie mehr hatte ich solchen Spaß wie damals, als sich meine Schulfreundinnen zu viert auf die Lehne der Rückbank schwangen und wir laut hupend und gröhlend den bislang größten Erfolg unseres Lebens feierten.

In der Abizeitung verewigten meine Klassenkameraden folgende Zukunftsprognose: „Wahrscheinlich macht sie noch in zwanzig Jahren mit ihrem Golf Cabrio die Gegend unsicher!“ Mein Auto und ich – wir waren ein eingespieltes Team, wir gehörten zusammen.

Sobald sich die ersten Sonnenstrahlen des Jahres zeigten, waren mein Golf Cabrio und ich on the road. Nichts ist vergleichbar mit diesem Gefühl: Man ist jung, man kann den Frühling riechen, der Wind fährt einem ins Haar, und wenn man nach oben blickt, kann man nichts als den tiefblauen Himmel sehen. 75 PS, blitzende Alufelgen und ein offenes Verdeck – mehr brauchte ich damals nicht zum Glück.

Geflissentlich übersah ich die kleinen Macken: Keine Zentralverriegelung? Macht nichts, ist eh was für Weicheier. Das PVC-Dach wiegt gefühlte zwei Tonnen, und beim Aufmachen holt man sich regelmäßig eine Zerrung? Besser als ein elektrisches Dach – das geht ja nur kaputt. Eine funktionierende Servolenkung? Wer braucht denn so was? Fitnesstraining for free!

Erst als ich die klaffenden Löcher im Dach zum zweiten Mal von einem Sattler flicken ließ, begann ich zu grübeln. Diverse kleinere Auffahrunfälle mit diversen kleineren Beulen kamen dazu. „Sparschwein“ nannte meine Mutter meinen Golf. Genau das Gegenteil war er: ein Fass ohne Boden.

Irgendwas war immer. Doch ich konnte mich nicht trennen, fand keine wirkliche Alternative. Als dann grüner Moosbewuchs stellenweise das Dach überzog, ich wegen Löchern im Auspuff schon aus fünf Kilometer Entfernung zu hören war und das Lenkrad gefährlich oft in den Kurven blockierte, sah ich es endlich ein: Unsere gemeinsame Zeit war abgelaufen.

Was mir geblieben ist, ist ein Foto: Ich und mein ramponiertes Golf Cabrio auf dem Hof des Autohändlers, der ihn zum Verschrotten bringen sollte. Beide schauen wir ganz traurig…

Angelika Zahn