HISTORY – VW TRANSPORTER T3
Die Vorgänger T1 und T2
Was wäre der VW T3 ohne seine Vorfahren? Sicher wäre er auch wegen seines Nutzwertes bekannt geworden, doch gerade der Ur-Bulli T1 und der T2 haben den eigentlichen Kult um den Wolfsburger Van kreiert. Die Bulli-Geschichte fand vor 60 Jahren ihren Anfang:
1947 sah der niederländische Volkswagen-Importeur Ben Pon auf dem Werksgelände in Wolfsburg ein Gefährt, das ihn erstaunte: Die VW-Mitarbeiter hatten selbst aus alten Käfer-Versuchsfahrzeugen ein Fahrzeug zusammengeschraubt, um auf dem Firmengelände schwere Lasten zu transportieren. Über dem Heckmotor war eine Fahrerkabine angebracht und vorn eine große Platte montiert. "Das brauchen doch alle!", dachte wohl Ben Pon. Schnell entstanden Skizzen, die aussahen wie Autozeichnungen eines Sechsjährigen und die dem Fahrzeug seine rundlichen Formen gaben.
1950 rollte der erste Bulli vom Band. Der kleine Transporter 1, der intern nach dem ersten Volkswagen Käfer die Werksbezeichnung "VW Typ 2" trug, kostete als Kastenwagen 5850 Mark, als Kleinbus 6950 Mark. Sein Design: 50er-Jahre-Ästhetik. Die Front orientierte sich am Aussehen einer Diesellok, V-förmig nach unten zulaufend, und in der Mitte prangte ein riesiges VW-Zeichen. Die Frontscheibe war zweigeteilt, weil kleine und gerade Scheiben kostengünstiger waren als eine durchgehende, geschwungene. Doch viel wichtiger als sein Aussehen war, dass er praktisch und robust war. Keine Zeit für Schnickschnack, Deutschland wurde ja gerade neu aufgebaut. Man brauchte einen Lastesel. Einen, der schleppen, tragen, schieben und viel transportieren konnte.
Und der nicht unhandlich war wie ein LKW, sondern wendig wie ein VW Käfer. Der T1 bestimmte - angetrieben von seinem 26-PS-Motor im Heck - durch seine Länge von 4,15 Meter, seine maximale Nutzlast von 750 Kilogramm und seinen maximal 75 km/h das Tempo des Wiederaufbaus. Und das, was er dafür verlangte, waren nur acht Liter Sprit auf 100 Kilometer. Highlight der Baureihe und heute der größte Blickfang aus der ersten Serie ist der Samba-Bus, offiziell "VW-Sondermodell". Der zweifarbige Personentransporter für knapp 8000 Mark hatte 21 Fenster und ein Rollverdeck - und selbst eine Großfamilie mit neun Personen fand Platz. 1951 liefen die ersten 269 Exemplare vom Band, und VW erfand so ganz nebenbei den ersten Van.
Auch der erste Camper entstand 1951: Die so genannte Campingbox wurde für einen britischen Offizier entworfen, der einen Bulli bestellte, in dem er schlafen, wohnen und arbeiten konnte. Die Firma Westfalia erfüllte dem Briten den Wunsch, und VW übernahm das Konzept mit Sideboard, Kleider-, Wasch- und Rasierschrank in Serie. Natürlich flossen innerhalb der Produktionszeit stets kleine Veränderungen in die Produktion ein: So gab es ab 1963, nach der ersten Million T1, anstatt einer Klapptür wahlweise eine Schiebetür, die später zu einem der Bulli-Markenzeichen wurde.
1967 - nach 17 Jahren und 1,8 Millionen Fahrzeugen - trat der T2 die Nachfolge an: Ab Herbst 1967 lieferten die Wolfsburger den 13 Zentimeter längeren, aber gleich breiten Transporter aus. Obwohl er die Formensprache seines Vorgängers mit den runden Scheinwerfern und der niedlichen Front übernahm, sind T1 und T2 schnell zu unterscheiden: Der Neue hat die durchgehende Frontscheibe und keine V-förmige Front mehr. Schneller als vorher veränderte der Neue jedoch sein Aussehen: Mal überarbeite VW die Front, mal das Heck. Was also blieb, war die Vielfalt an Varianten. Neu war das Image, das der T2 bekam: als günstiges, zuverlässiges Transportmittel der Flower-Power-Szene, entweder in den USA Richtung Woodstock, mit dem Surfbrett an die Küste oder von Europa aus nach Indien. Und am besten bunt bemalt. Doch auch die Gegenseite fuhr den T2: Bei Bundeswehr und Polizei war der Bulli im Dauereinsatz.
Die Nachfolger T4 und T5
Der Produktionszeitraum von T3 und T4 überschneiden sich in den letzten Jahren. Als in Hannover schon der VW Transporter T4 vom Band rollte, wurde in Graz bei Steyr-Daimler-Puch noch bis zum 20. November 1992 der T3 produziert. Der neue Transporter T4 hatte Motor und Antrieb vorn, war das ausgereifteste Fahrzeug der Serie - aber braucht natürlich genau wie der seit 2003 produzierte Nachfolger T5 noch Zeit, sich in die Herzen der Fans zu fahren. Doch ein Superlativ erfüllt er schon jetzt: Kein anderes Modell der Autobranche ist so breit aufgestellt. Wer Bulli fährt, kann es im Transporter-Einstiegsmodell für 20000 Euro tun oder für 132000 Euro im Spitzenmodell Multivan Business.